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Profis // Dienstag, 09.05.2017

"Und dann wachst' mit Anzug und Medaille auf"

Meisterpanther Markus Janka hat seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt. Der Torwart, von 2010-2014 beim ERC Ingolstadt, spielte in den vergangenen beiden Jahren noch für die Tölzer Löwen in der Oberliga, in beiden Saisons gewann er die Torhüter-Wertung. Neben dem Eishockey arbeitete er schon im Familienbetrieb in Geretsried, einem Entsorgungsunternehmen. Oder vielleicht war es mit der Schwerpunktverteilung doch genau andersherum, in beiden Aufgaben jedenfalls fuchste er sich rein. "Ich habe mich gut eingearbeitet", sagt er zu seiner Karriere im Familienbetrieb, in dem er in der Auftragsannahme begann. "Mein Aufgabengebiet wächst peu à peu. Mir gefällt es ganz gut."

Zum Abschluss seiner Eishockey-Karriere haben wir mit Markus Janka ein Karriere-Interview geführt [Fotos: Bösl/kbumm.de und City Press].


Das Foto wurde vor meiner ersten DEL-Saison aufgenommen. Ich wechselte 2000 von meinem Heimatclub TuS Geretsried nach Schwenningen. Die Wild Wings waren schon damals einer der kleineren DEL-Clubs. Ich rechnete mir Chancen aus, dass ich Einsätze bekomme und das hat dann auch geklappt. Und die Großen der DEL wollten mich eh nicht. (lacht) Damals waren mit Trainer Rich Chernomaz, Torwart Ian Gordon und Thomas Greilinger drei Spieler in den Reihen, die ich später beim ERC wiedertreffen sollte. Mit Greilinger, mit dem ich auch heute noch im engen Kontakt bin, wohnte ich in Schwenningen sogar zusammen. Es war ein Haus mit drei Wohnungen, in allen waren SERC-Spieler untergebracht.
An mein erstes DEL-Spiel kann ich mich gar nicht mehr zu 100 Prozent erinnern. Wir spielten in Nürnberg, im alten Stadion (17. September 2000; die Redaktion). Ich wurde nach 27 Minuten eingewechselt. Am Ende hieß es 3:8 aus unserer Sicht. Ans erste Spiel von Beginn an kann ich mich besser erinnern. Es war kurz darauf in Köln (26. September 2000, Endstand 1:2; die Redaktion).


Bundestrainer Hans Zach lud mich 2002 zur Nationalmannschaft ein. Mein Debüt gab ich in Schwenningen, gegen Frankreich, und durfte später sogar mit nach Schweden zur Weltmeisterschaft. Ich hatte eine gute zweite Saison in Schwenningen gespielt, aber hatte auch Glück. Damals gab es deutsche Nummer-eins-Torhüter praktisch gar nicht. Marc Seliger vielleicht, Robert Müller war bei den Adler Mannheim nur Ersatzmann hinter Mike Rosati. Eigentlich wäre Christian Künast gesetzt gewesen, aber er wurde krank. Es war schon der Wahnsinn, bei der WM in Schweden dabei zu sein. Ich war dritter Goalie und saß bei zwei Spielen auf der Bank. Wir schieden im Viertelfinale gegen den Gastgeber aus. Geblieben sind schöne Erinnerungen. Es war schon was, Stars wie Jaromir Jagr kreisen zu sehen. Er ist ja heute noch gut, aber damals war er in seiner Blüte.


Von Schwenningen ging es für mich weiter nach Kassel. Dort lief es nicht so besonders, zu Silvester ging ich mit einer Förderlizenz nach Regensburg in die zweite Liga. Das war genau die richtige Entscheidung. Ich machte 20 Spiele, wir verhinderten den Abstieg. Im Jahr darauf war es für mich keine einfache Zeit, ich wurde zwischen Krefeld und Duisburg hin und her geschickt. Auch wenn es von der Entfernung ging, war es nicht leicht. Toll war die Teilnahme mit Krefeld am Spengler Cup - eine schöne Erfahrung, da rührte sich was. 2010 kam ich dann über Straubing nach Ingolstadt. Ich hatte bei den Tigers eine super Zeit, aber ich brauchte nicht lange überlegen, als ich das Angebot vom ERC bekam. Jim Boni (damals Sportdirektor; die Redaktion) sagte mir, er wolle eine Meistermannschaft aufbauen. Es war eine sehr schöne Zeit beim ERC. In Ingolstadt kam dann auch meine Tochter Magdalena zur Welt, mein Sohn Kilian wurde im Meisterjahr im Sommer geboren.


Ich bin Sechzger-Fan. Da muss man sich in den letzten Jahren immer was anhören, man braucht ein dickes Fell. Im Stadion war ich zuletzt selten, aber am Sonntag zum letzten Heimspiel gegen Bochum fahre ich nei. Früher spielte ich im Sommer auch selbst, in der C-Klasse, und in einer Ü30-Tennismannschaft. Das ging zuletzt nicht mehr, nach der Arbeit ging es gleich ins Training. Und für die Familie will ich natürlich auch da sein. Tennis will ich jetzt wieder anfangen - und Skifahren! In der Karriere war ich vielleicht zweimal. Es wird interessant, ob ich das Skifahren wieder zusammenbringe. (lacht)


Es war mir wichtig, dass meine Maske immer gut ausschaut. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn ein Torwart eine weiße Maske trägt. Eine Maske ist etwas Persönliches. Da hälst' jeden Tag die Rübe hin. In Krefeld hatte ich mal den Gollum aus "Herr der Ringe" drauf, als der Film damals rauskam. Das war eine schöne Maske. Beim ERC hatte ich zum 125. Todestag von König Ludwig auch ein spezielles Design. In Straubing hatte ich die Toten Hosen drauf. Sie unterschrieben mir die Maske und luden mich sogar mal ein.


Es hat mich immer gefreut, wenn die Fans meine Einsätze honorierten (wie hier nach einem Shutout-Sieg gegen die Hannover Scorpions; die Redaktion). Es gehört auch dazu, dass sie mal pfeifen, wenn es nicht passt, aber das Anfeuern war immer schöner. Bei den Pantherholics war ich Ehrenmitglied, was mich sehr gefreut hat.


Wir spielten 2013/14 eine sehr durchwachsene Hauptrunde. Es kam aber alles irgendwie ins Rollen. Es gibt ja Teams, die neben dem Eis super zusammenhalten, aber das nützt im Endeffekt wenig. Bei uns war der Zusammenhalt der Mannschaft auf dem Eis in jenem Jahr der Wahnsinn. Es gab einige Knackpunkte,wie das Spiel in Augsburg, wo Sundblad (der damalige Trainer; die Redaktion) nach dem Spiel vom Finale sprach und das Datum nannte. Nach einer herben Niederlage, wohlgemerkt. Wir sagten nur: Alles klar... (lacht) Und dann wachst' mit Anzug und Medaille um den Hals auf. (lacht) Nach der Meisterschaft war drei, vier Tage nur Party. Ab Samstag war es dann ruhiger, irgendwann kannst du nimmer.
Für die Medaille habe ich aktuell noch keinen besonderen Platz. Wir haben aber ein Haus gebaut. Jetzt habe ich dann Zeit, mich darum zu kümmern.

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